Achtung!!

Ich rate dringend davon ab, meine vorgestellten Exkursionen nachzuahmen – in alten Bergwerken lauern viele Gefahren. Angefangen von den offensichtlichsten Gefahren wie  absturzgefährdeten Schächten – drohen ungeübten Personen, die verdeckte Gefahren nicht rechtzeitig erkennen können, – zusätzlich Firstfall, zu starker Stoßdruck der plötzlich versagen kann, unerwartet starker Wassereinbruch nach oberflächlichen Wetteränderungen, kollabierende Ein/Ausbauten und vieles vieles mehr. All diese Gefahren rechtzeitig und zuverlässig zu erkennen bedarf es einer Menge Erfahrung und den richtigen „Popometer“ Der Umgang mit diesen Gegebenheiten ist erlernbar, genauso wie Fahrradfahren und Schwimmen.

Je mehr Verständnis man sich über die ablaufenden Vorgänge im Altbergbau erworben hat, um so weniger ist man auf einer Befahrung gefährdet, da man die vorgefundenen Verhältnisse richtig einschätzen gelernt hat. Grundvoraussetzung dafür sind selbst gesammelte praktische Erfahrungen, die durch theoretische Kenntnisse und vermitteltes praktisches Wissen ergänzt werden sowie die Bereitschaft des Befahrers, sich diese Fähigkeiten mit allen Sinnen und Respekt vor den aufgefundenen naturgegebenen Verhältnissen anzueignen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch Kenntnis der natürlichen und bergbautechnischen Verhältnisse, durch Übung am Objekt, Erfahrungsaustausch und umsichtiges Verhalten Gefährdungen auf ein Minimum reduziert werden. Grundlage dafür ist jedoch, dass jeder Befahrer sich bewusst ist, was er tut und mit offenen Augen und wachen Sinnen ans Werk geht.

Die größte, nicht zu unterschätzende Gefahr birgt jedoch das „Wetter“ innerhalb der alten Grubengebäude. 

Die „Wetter“
Unter Tage nennt der Bergmann die Luft „Wetter“, ein Austausch der unterirdischen Luft wird „Bewetterung“ genannt. In aktiven Bergwerken wird die Bewetterung durch absaugen der unterirdischen Grubenluft oder hineinblasen von sauberer Außenluft erzeugt. Dieses kann sowohl maschinell als auch durch physikalische Effekte erreicht werden. Ich betrachte hier lediglich die Bewetterung über physikalische Effekte, da dort wo ich herumlaufe, seit Jahrzehnten keine künstliche Bewetterung mehr existiert. Ich mache es kurz, – dass Thema Wetter ist einfach zu komplex um es mal eben hier zu erklären. Fakt ist jedenfalls – das man die Wetter  lediglich mit einem geeigneten,  geeichten bzw. kalibrierten (Mehr)-Gasmessgerät zuverlässig messen bzw. feststellen kann. 

4,20% Kohlenstoffdioxid (CO²) auf meinem Messgerät. Höchste Alarmstufe, das Gerät geht in den Vollalarm. Der Alarm lässt sich nicht quittieren oder abschalten. Das Gerät lässt sich nicht ausschalten bis wieder „normale“ Umgebungsluft erreicht ist! Das „piepen“ nervt so penetrant mit 120dB das man freiwillig den gefährlichen Bereich räumt um wieder Ruhe zu bekommen.

In diesem Video seht ihr mein Mehrgasmessgerät (orangenes/rotes Display) sowie ein „Eingasmessgerät für O² (Sauerstoff) meiner Befahrerkollegin. Mein Mehrgasmessgerät misst gleichzeitig CO², CH4, H2S sowie O². An dieser Stelle ging der Alarm von jetzt auf gleich los. 3,10% CO² sowie 16,5% O² sind schon recht bedrohliche Werte die man unbedingt ernst nehmen sollte. Ohne Messgeräte wären wir bald in den sicheren Tod gelaufen – und hätten es nichtmals

Mehrgasmessgerät – misst Gleichzeitig: CO², O², H2S, sowie CH4 in UEG (untere Explosionsgrenze) bei 100% ist ein explosionsfähiges Methan/Sauerstoff-Gemisch in der Atmosphäre!

gemerkt. Deshalb, wenn Ihr nicht in der Lage oder Willens seit unter Umständen mehrere tausend Euro für eure Sicherheit in die Hand zu nehmen – dann besucht doch lieber sichere Besucherbergwerke,- die müssen nämlich auch von was leben. Ich gehe da ja auch regelmäßig hin – ab und an jedenfalls ;-)……

 

 

 

 

 

 


Kohlendioxyd (CO²)…
…wird vom Menschen ausgeatmet, wenn viele Menschen in einem geschlossenen Raum sind entsteht schnell „stickige Luft“. Unsere Ausatemluft enthält etwa 4% CO². CO² entsteht (u.a.) auch bei Zerfall von Biomasse oder ist im Gestein gelöst (Kohle), wo es langsam ausgast…

CO² ist schwerer als Sauerstoff  bzw. Umgebungsluft und sammelt sich am Boden!!

 

 

 

  • 0,038 %: Derzeitige, natürlich vorkommende CO² Konzentration in der Atem-Luft
  • 0,15 %: Hygienischer Innenraumluftrichtwert für frische Luft
  • 0,3 %: MIK-Wert, unterhalb dessen keine Gesundheitsbedenken bestehen
  • 0,5%: MAK Wert – die maximale Arbeitsplatzkonzentration
  • 4 %: Atemluft beim Ausatmen, Auftreten von Kopfschmerzen nach längerer Exposition
  • 5 %: Auftreten von Kopfschmerzen, Schwindel und Bewusstlosigkeit nach längerer Exposition – tödliche Gefahr. Man „fällt“ bewusstlos ins CO². Wir erinnern uns – CO² sammelt sich am Boden an!!
  • 8 %: Bewusstlosigkeit, Krämpfe, eintreten des Todes nach kurzer Zeit möglich

Schwefelwasserstoff (H2S)

Viele Befahrer vernachlässigen die Gefahr des Schwefelwasserstoff (H2S) Unter-Tage. Dabei kann das vorhandensein von H2S in der Atmosphäre Lebensbedrohlich sein!

Der Schwefelwasserstoff bildet bei Kontakt mit Schleimhäuten und Gewebeflüssigkeit im Auge, der Nase, des Rachens und in der Lunge Alkalisulfide, die eine sehr starke Reizwirkung verursachen. Eine Folge davon sind Wassereinlagerungen in der Lunge. Die Symptome verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen.

Die eigentliche Giftwirkung beruht auf einer Zerstörung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und damit einer Lähmung der intrazellulären Atmung. Der Mechanismus ist bis heute unklar, es wird vermutet, dass allgemein schwermetallhaltige, sauerstoffübertragende Enzyme inaktiviert werden. Der kleinere, nichtoxidierte Teil des Schwefelwasserstoffs kann Schäden im zentralen und evtl. auch peripheren Nervensystem hervorrufen.

Auf den Menschen ergeben sich folgende Wirkungen:

  • ab 20 ppm: Hornhautschäden bei längerer Einwirkung
  • ≈ 100 ppm: Reizung der Schleimhäute an Auge und Atemwegen, Speichelfluss, Hustenreiz
  • > 200 ppm: Kopfschmerz, Atembeschwerden
  • > 250 ppm: Betäubung der Geruchsrezeptoren
  • > 300 ppm: Brechreiz
  • ≈ 500 ppm: Kraftlosigkeit, Benommenheit, Schwindel
  • > 500 ppm: Krämpfe, Bewusstlosigkeit

Langzeit-Einwirkung unter niedrigen Dosen kann zu Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Gedächtnisschwäche und Konzentrationsschwäche führen.

Auf den Menschen ergeben sich konzentrationsabhängig Vergiftungserscheinungen:

  • < 100 ppm: nach mehreren Stunden
  • > 100 ppm: < 1 Stunde
  • ≈ 500 ppm: lebensgefährlich in 30 Minuten
  • ≈ 1000 ppm: lebensgefährlich in wenigen Minuten
  • ≈ 5000 ppm (entspricht einem Volumenanteil von 0.5 %): tödlich in wenigen Sekunden

Das bedeutet, dass bereits H2S-Konzentrationen von 0,1 % nach wenigen Minuten tödlich wirken. Bewusstlosigkeit tritt bei solchen Konzentrationen schon innerhalb eines oder mehrerer Atemzüge ein.

Die Konzentration an H2S, die auf menschliche Zellen durch Hemmung der Zellatmung schädlich wirkt, wurde in vitro* mit 0,32 µmol/l festgestellt.

*Als in vitro (lat. ‚im Glas‘) bezeichnet man organische Vorgänge, die außerhalb eines lebenden Organismus stattfinden, im Gegensatz zu solchen, die im lebenden Organismus (in vivo) ablaufen.